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Puccini - Tosca

Tosca ist eine Oper in drei Akten von Giacomo Puccini nach einem Drama von Victorien Sardou. Die Uraufführung war am 14. Januar 1900 in Rom. Das Libretto schrieben Giuseppe Giacosa und Luigi Illica.

Die Oper ist dem Verismus zuzuordnen. Inhaltlich geht es daher nicht mehr ausschließlich um Sagengestalten oder Königshäuser sondern vielmehr um Leben, Leiden und Lieben von eher "normalen" Menschen aus dem Volk.



1. Akt (In der Kirche Sant’Andrea della Valle)

Der politische Gefangene Angelotti flieht aus dem Staatsgefängnis Engelsburg in die Kirche Sant’Andrea della Valle und versteckt sich dort in der Familienkapelle der Attavanti, für welche ihm seine Schwester den Schlüssel versteckt hinterlegt hat. Der Maler Cavaradossi, ein Freund Angelottis, gestaltet in dieser Kirche das Altarbild, in dem er die Gestalt der Maria Magdalena nach dem Vorbild einer schönen Unbekannten gezeichnet hat, die in letzter Zeit oft in der Kirche zu sehen war. Zwar räumt Cavaradossi ein, dass die Unbekannte ihm als Modell gedient habe, beteuert aber, sein Herz gehöre allein seiner Geliebten, der Sängerin und Primadonna Floria Tosca. Angelotti erkennt seinen Freund, den Maler Mario Cavaradossi. Dieser will ihm weiterhelfen. Cavaradossi verschließt die Tür, um nicht überrascht zu werden. Da erscheint Tosca, die verschlossene Tür macht sie eifersüchtig, sie beschuldigt Cavaradossi der Untreue. Zwar kann Cavaradossi die Situation entschärfen und ein Treffen für den Abend verabreden, aber die Eifersucht Toscas entflammt erneut, als sie auf dem von Cavaradossi gemalten Bild die Gräfin Attavanti erkennt. Zur gleichen Zeit wird die Flucht Angelottis bemerkt und Alarm durch einen Kanonenschuss geschlagen. Cavaradossi versteckt Angelotti in einer kleinen Höhle im Brunnenschacht hinter seinem Haus. Der Mesner betritt die Kirche und teilt mit, die italienischen und österreichischen Truppen hätten Napoléon Bonaparte in der Schlacht bei Marengo geschlagen. Der Polizeichef Baron Scarpia, der die Verfolgung Angelottis aufgenommen hat, betritt die Bühne. Als nun Tosca zurückkehrt, um Cavaradossi mitzuteilen, dass sie abends auf dem Siegesfest singen solle, schürt Scarpia ihre Eifersucht, um von ihr etwas zu erfahren, und hetzt den Polizeiagenten Spoletta auf ihre Spur.


2. Akt (Scarpias Räume im Palazzo Farnese)

Scarpia lädt Tosca zu sich ein. Polizeiagent Spoletta berichtet von der vergeblichen Durchsuchung Cavaradossis Villa, in welcher man nicht den entflohenen Häftling, sondern nur den Maler selbst angetroffen und zum Verhör mitgebracht habe. Als dieser sich weigert, seinen Freund Angelotti zu verraten, lässt Scarpia diesen in Anwesenheit Toscas foltern. Cavaradossi verrät seinen Freund nach wie vor nicht, Tosca jedoch gibt auf und verrät schließlich das Versteck Angelottis. Als Cavaradossi aber mitbekommt, dass Napoléon gesiegt hat und nicht die italienischen und österreichischen Truppen, bekennt er sich zu seinen politischen Idealen - Scarpia erklärt, dass er damit sein Leben verwirkt hat. Um das Leben Cavaradossis zu retten, verspricht Tosca, sich Scarpia hinzugeben. Als Scarpia Tosca den Passierschein, der ihr und Cavaradossi die Freiheit schenken soll, überreichen will, nimmt diese ein Messer und ersticht damit Scarpia.


3. Akt (Engelsburg)

Die Erschießung Cavaradossis auf der Plattform der Engelsburg wird vorbereitet. Dieser schreibt einen Abschiedsbrief an Tosca und erinnert sich ihrer und des schönen Lebens. Tosca hat sich mit dem Passierschein Scarpias in das Gefängnis begeben und teilt ihrem Geliebten mit, dass das Urteil nur zum Schein vollstreckt werden soll. Das Erschießungskommando erscheint und erschießt Cavaradossi. Tosca will ihm aufhelfen und muss erkennen, dass Scarpia auch sie betrogen hat: Cavaradossi ist wirklich tot. Inzwischen ist auch der Tod des Scarpia entdeckt worden. Als Tosca deswegen von den Gendarmen verhaftet werden soll, stürzt sie sich in die Tiefe.

Gesucht: Hässlichstes Cover

Auch wenn ich die Musik gut finde, aber bei diesen Covers kann mir die Lust am Musikhören echt vergehen. Hast du auch CDs/LPs mit hässlichen Covers?



Blackfield - II



Infos:

Steven Wilson ist ein Arbeitstier, das wissen wir nun seit langem. Daher gibt es am 16.02. mal wieder etwas neues. „II“ steht in den Regalen. Steven hat vor einigen Jahren, zusammen mit Aviv Geffen das Projekt ins Leben gerufen, um sich dem progressiven Stil von Porcupine Tree zu entfernen. Gut so, wenn die Arbeit dann auch noch so ausfällt wie eben hier.

Epischer Rock Pop wird das hier wohl in der Szene genannt. Dem kann ich auch nur zustimmen. „II“ ist etwas einen echten, gefühlvollen und charismatischen Musiker ausmacht. Diese Platte ist die ruhigere, die melancholische Seite von Steven Wilson, der ja normalerweise im progressiven Rock zu Hause ist. Auch wenn der Opener „Once“ und „Epdemic“ noch einen deutlich davon überzeugen können, dass Blackfield eine 100%ige Rockband ist, so lassen sich alle übrigen Songs eher in die Schublade der balladesken und poppigen (Rock-) Art einordnen. Aber lassen wir die Zuordnung in irgendwelche Schubladen, denn „II“ ist eine Kunst für sich. Dieses Album erfüllt einen mit Emotionen. Die Vermischung von ergreifenden Gitarrenparts, der weichen Stimmen und einigen Streichern, Pianoklängen ist einfach zum Träumen schön (wow, klingt etwas komisch, aber es ist die pure Wahrheit.). Die Tracks sind voller Eleganz und Sinnlichkeit. Sie berühren einen, nicht nur durch die einfühlsamen Texte.
Wohlklingende Melodien, rhythmische Gitarren und Melancholie lassen sich nur derart am besten im Pop/Rock erzeugen ohne dabei langweilig oder gar depressiv zu wirken. Diese beiden Herren wissen ganz genau, wie sie vorzugehen haben. Wie ein Uhrwerk nämlich passt hier alles zusammen. Den wahren Porcupine Tree Fans, die sich ausschließlich an der reinen progressiven Seite erfreuen, wird dieses Album auf den ersten Blick nicht viel bringen, aber trotzdem möchte ich meinen, dass die Handschrift von eben Steven auch hier nicht zu leugnen ist und eben jene Fans sich diesem Projekt ebenfalls widmen sollten. Nicht zuletzt um zu erkennen, dass es auch gefühlvolle Songs im ruhigen Rock/Pop gibt.
(neben bei bemerkt: Sollte es tatsächlich noch jemanden geben, der die Namen Steven Wilson und Porcupine Tree gar nicht gehört hat, dem sei gesagt, dass Blackfield für diejenigen zu empfehlen wäre, die Bands wie u.a. Coldplay, Beatles, Pink Floyd und Anathema mögen.)

Fazit: Das ist Kunst! Das sind die Alben, bei denen nur noch das Glas Rotwein und der Kerzenschein zum Genuss der Musikkunst beitragen. Ein erstaunlich weiches, aber sehr beeindruckendes und damit edles Pop-Rockalbum, welches seines gleichen sucht.
Anspieltipp, den ich hier einfach nicht unerwähnt lassen darf: „End of the World“ – einfach zum Dahinschmelzen! Besser hätte eine Scheibe nicht enden können, das Highlight schlecht hin.

bass solo

WE WILL ROCK YOU

Ich bin ja eigentlich nicht der Musical-Liebhaber. Der musicaltypische Gesang geht mir meist auf die Nerven. Das Queen-Musical hat mir jetzt aber wirklich gut gefallen.

Super Show – witzige Texte – gute Musik - perfekte Unterhaltung





Im letschte Tram

Bei mir läuft Polo Hofer - ein klasse Song:

im letschte tram so spät am abe
underwägs zu dr ändstation
het mänge sini tröim begrabe
u mänge wet är hät meh lohn

dr himmel hanget zwüsche de dächer
dr mond xeht us wine zitroneschnitz
i dr altstadt fülle sie no dr bächer
u d'meitschi mache d giele spitz

di lustige witwe
u die junge gselle
sie stige ii si xes nüm so klar
sie si ga ihri sehnsucht stille
jede für sich i sini lieblingsbar

für mi si sie irgendwie helde
sie hei so vil mit mir gmeinsam
mir hei doch alli nüt me ds mälde
scho gar nid ufem letschte tram

chaschs gsorget gä
im letschte tram
me cha der nüt me näh
im letschte tram
mueschs näh wis chunnt
im letschte tram
i sore späte stund

u d madonna hanget ar tiili
sie luegt mi aa, aber si xeht mi nid
u d mona lisa lächlet für viili
sie chläbt am fänschter näbem bankkredit
fahre dür fahrverbot u strasseschilder
verbi ar wärbig fürne schlangefraass
verlogni sprüch u faltschi bilder
verspräche freiheit verspräche gspass

wie cha ne mönsch die wält ertrage
wener so viu bschiiss mues xseh
aber i ma nid grüble ma mi nid plage
ha müedi füess u dr chopf tuet mer weh

ha gmeint du würdisch uf mi warte
ha gmeint i passi dir i chram
da ha di xe schmuuse mit eim im garte
u da bini haut ufs letschte tram

i chas gsorget gä
im letschte tram
me chamer nüt me nä
im letschte tram
i nimes wies chunnt
im letschte tram
i sore späte stund

ja wet mi glich no wosch xeh
de weisch ja woni bi
bi ufem tram
chasch ja zuestige
zum bispil bim general guisan-platz
oder bim militärgarte
oder bim schützegarte
oder viktoria platz
oder bim hänkersbrünndli
bim galdefäld
bim fridhof
oder gar bim chindlifrässer
und überhoupt
wieso hei alli haltstelle sötegi näme

ufem letschte tram
im letschte tram
s'chunnt alles us
im letschte tram
s'git kei bluemestruss
im letschte tram
bringt dir niemer dr schmuus
im letschte tram
dr schuss isch dus
im letschte tram

mueschs nä wis chunnt
im letschte tram
i sore späte stung
im letschte tram
sisch nüme wit
mitem letschte tram
sisch höchschti zit
im letschte tram
da weisch was drinne ligt
im letschte tram…

rammstein - völkerball

Ich habe mir im Fernsehen den Rammstein-Film "Anakonda im Netz" angeschaut. Das hat mich dazu gebracht Völkerball zu kaufen. Wer Rammstein mag, der sollte sich diese DVD mal anschauen - eine faszinierende Bühnenshow mit viel Power und Dynamik:













Marillion - Kayleigh

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opeth - Deliverance / Damnation

Am Freitag per Post erhalten:



Infos:
Wenn ich schon diese Coverbilder sehe: Norman Bates' Mutter scheint in die verfallene Hausruine von Blair Witch Project eingezogen zu sein, also alles typisch Opeth. Herrlich, diesen gruseligen Verfall anzusehen (in meinem Wohnort gibt's ein paar Ecken, die sehen wirklich so ähnlich aus...).

Wer die Vorgängeralben kennt, weiß, was musikalisch geliefert wird: Deathmetal mit ruhigeren Passagen, die - seit Steven Wilson produziert und mitwirkt - gelegentlich etwas (manchmal auch stark) an Porcupine Tree erinnern. Dieses Konzept kam auf "Blackwater Park" am überwältigendsten rüber und wird hier in perfektem Sound weitergeführt: so perfekt zuweilen, dass es für kritische Ohren schon kalt klingen mag - berechenbar wie ein Uhrwerk hämmern zuweilen die Drums, dröhnen die Gitarren, donnert der Bass. Wann es ruhig wird, ahnt man auch schon: wer "Blackwater Park" genau kennt, wird hier kaum noch überrascht.

Und so ist es nur folgerichtig, dass der Spruch "Wenn's am schönsten ist, soll man aufhören" jetzt geradezu nach Umsetzung schreit; die Gruppe inklusive Wilson scheint das auch so empfunden zu haben und nahm ungefähr gleichzeitig zu "Deliverance" ein weiteres Album auf, das unter dem Titel "Damnation" kurze Zeit später tatsächlich für Überraschungen unter den Fans sorgen sollte - aber das ist eine andere Geschichte.

Tja, kalte Perfektion ist ein Vorwurf, der gegenüber prog-relevanter Musik schon oft geäußert wurde, aber selbst wenn er berechtigt ist, heißt das noch lange nicht, dass man nicht trotzdem davon schwärmen kann. Man kann das auch hier: egal, wie nachdrücklich mein Verstand mir die Kritikpunkte klarmacht, ich kann mich der Anziehungskraft dieses Albums unmöglich entziehen.

Das besondere Meisterstück ist der Titeltrack "Deliverance", der nur so von Abwechslungsreichtum strotzt, ohne jedoch verwirrend zu werden; noch nie haben die harten und ruhigen Teile ein so harmonisch gefügtes Ganzes ergeben, und es ist unbeschreiblich, wie hier rangeklotzt und jede Idee Sekunden später noch übertroffen wird, kein Problem auch die vielen Breaks und überwältigend die Anpassungsfähigkeit des Schlagzeugs. Echt Wahnsinn - soll aber nicht heißen, dass die anderen Titel schwach sind. "A fair judgement" zum Beispiel ist ein Song ohne Grunt-Vocals, aber dennoch würde ich nicht sagen, dass hier schon auf "Damnation" vorverwiesen wird, denn dazu ist das Arrangement der meisten Teile noch zu heavy. "For absent friends" ist dann ein kurzes, sehr einfühlsames Instrumentalstück (Erinnerung an Camel!), bevor schließlich auf den beiden Schlusstracks noch einmal zum großen Schlag ausgeholt wird. Der Opener "Wreath" ist vordergründig ein kaum unterbrochener Durchmarsch-Rocker, aber man achte mal auf den Percussion-Einsatz! Herrlich sind auch die über das Album verteilten gruselig klingenden Halbtonschritte, und die Stücke 1-3 gehen fast ineinander über und halten die atemberaubende Spannung aufrecht - beim ersten Hören sollte man schon mal einen Blick auf das Display des Players werfen, um richtig folgen zu können.



Genug geschwärmt. Ich sage mal: wer bisher Berührungsängste zum Deathmetal hatte, sollte diese Scheibe mal ausprobieren - hier gibt es dieses Genre in geradezu gesellschaftsfähiger Perfektion, was der düsteren Stimmung trotzdem keinen Abbruch tut. Wer andererseits findet, von "Blackwater Park" schon genug gehabt zu haben, kann auf "Deliverance" wahrscheinlich ganz gut verzichten. Und wer den geliebten Porcupine-Tree-Stil mal in ganz anderem Gewand hören wollte: sofort zugreifen!

Henning Mangold




Infos:
Da ist es also, jenes Album auf dem Opeth (vorübergehend) ihre Death-Metal Roots komplett abgeschworen haben. Wie angekündet befindet sich konsequenterweise auf "Damnation" dann auch kein einziger "Grunzer" mehr. Der bekannte Wechselgesang (mal Growls, mal cleane Vocals) von Mikael Akerfeldt fiel demnach dem Rotstift zum Opfer. Schade, ist er doch für viele Fans ein Markenzeichen von Opeth und hebt die Band von der breiten Masse ab.

Doch es gibt noch weitere einschneidende Veränderungen im Gesamtsound, die dem alten Fan und insbesondere den Metal-Hörern - schliesslich kommen Opeth aus der Metalszene - übel aufstossen werden. Der Anteil an harten Gitarren tendiert nämlich gegen null. Vielmehr haben wir es hier mit einem typischen 70's Rockalbum zu tun, angereichert mit viel Mellotron, akustischen Gitarren und einer modernen Produktion, für die sich einmal mehr Steven Wilson von Porcupine Tree verantwortlich zeichnete. Aber auch der PT-Mastermind konnte nicht verhindern, dass "Damnation" streckenweise vor sich hinplätschert und mit der Zeit ein wenig die Spannung vermissen lässt. Es wird einfach zu wenig Abwechslung geboten, und den Songs fehlen die zündenden Ideen, um den Hörer langfristig zu fesseln. Der Scheibe hätte sicherlich 2-3 Tracks gut getan, bei denen das Tempo mal angehoben oder zumindest variiert wird.



Härtemässig rangieren Opeth auf "Damnation" gar noch hinter den bereits genannten Porcupine Tree. Gemeinsam haben beide Bands die immer wieder aufkeimende Melancholie, die wirklich überzeugend rüberkommt und Herbstfeeling vermittelt. Demnach ist der Releasezeitpunkt mitten im Sommer freilich nicht besonders geschickt gewählt. Insgesamt ist "Damnation" also eher ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite schimmern immer wieder schöne Akustikparts durch, die zu begeistern wissen, aber auf der anderen Seite fehlen dem Album die ganz grossen Momente. Porcupine Tree Anhängern dürfte das Ganze aber gut gefallen, diese sollten "Damnation" ruhig mal ein Ohr schenken. Ich persönlich warte lieber auf das nächste, hoffentlich wieder härtere Opeth Album.

Sebastian Bodden

Red Hot Chili Peppers - Stadium Arcadium

Nun habe ich mir das erfolgreichste Album 2006 (in der Schweiz) doch auch noch gekauft. Ich weiss auch nicht warum, aber ich war diesem Album gegenüber etwas skeptisch eingestellt und wollte es erst mal nicht kaufen. Dann habe ich mir ein paar Songs im Internet angehört und siehe da, wirklich gute Arbeit…





CD Kritik von laut.de:

Beginnen wir mit einem Detail, dem abschließenden Gitarrensolo der Single "Dani California". Da ist er wieder. Der John Frusciante, der die Funk-Maniacs ab Ende der 80er gemeinsam mit der unglaublichen Groove-Power des neuen Drummers Chad Smith in die Rock-Stratosphäre katapultierte. Hendrix-Fan Frusciante spielt Rock und Funk mit einzigartigem Drive auf den Punkt. Wem dies nicht in Sekunden-Bruchteilen durch die Synapsen fährt, der behandelt die Peppers nach über 20-jähriger Karriere allein mit den grauen Zellen und ohne Herz.

Was darf man eigentlich von den Kaliforniern heutzutage erwarten? Bestimmt keine zweite Revolution. Sie beschreiten ihren (früher zuweilen dunklen) Pfad gewissenhaft fort und haben, das sollte man nicht vergessen, viele Bands überlebt. "Stadium Arcadium" kann als Quintessenz dieses Weges begriffen werden. Und eine Single wie "Dani California" gießt dies ins Hit-Format - wie es früher bereits "Can't Stop", "Scar Tissue" oder "Soul To Squeeze" verstanden.



Die entscheidenden Eckpfeiler des aktuellen Sounds: Spätestens seit "Californication" ist die Band an betont schönen Melodien und eingängigen Songs interessiert. Davon gibt es reichlich, das an Dichte zunehmende "Snow (Hey Ho)", das mäandernde "Stadium Arcadium", das zu Beginn sanfte "Slow Cheetah" oder das optimistische "Desecration Smile". Allerdings huldigen die Peppers im Vergleich zur ach Gott so erwachsenen 'Beatlemania' von "By The Way" endlich wieder dem unbeschwerten Funk-Rocker (etwa beim Johnny Ramone gewidmeten "Readymade"). So wäre die Gitarrenarbeit von "Turn It Again" auf "By The Way" unmöglich gewesen.
Natürlich kommt das alles nicht so ungestüm zur Sache wie etwa auf "Mother's Milk" von 1989. Der Funk-Rock anno 2006 will nicht mehr ins Fleisch schneiden, er rockt optimistisch nach vorne. Dafür beschwört das reduzierte "Hump De Bump" jenen Geist herauf, der 1991 bei "Blood Sugar Sex Magik" herrschte. Kombiniert mit den Bläserparts und einer bei den Peppers bis dato nicht gehörten Percussionspur sorgt das US-Quartett aber gleichzeitig für Überraschungen.

Dabei mag es eine Rolle gespielt haben, dass "Stadium Arcadium" in just demselben Haus im Laurel Canyon entstand wie "Blood Sugar Sex Magik". Auch besagtes "Readymade", die Funk-Perle "21st Century" oder das fordernde "Storm In A Teacup" erinnern in der Produktion an diese Phase. Dem Himmel sei dank, auch wenn dies Geschmackssache bleibt.

Wie auf "Animal Bar" klangen die Red Hots ebenfalls noch nie: eine straighte Rock-Nummer mit schwebenden Strophen, die im kräftigen Refrain auf den Boden geholt werden. Anthony Kiedis steigert sich hier von einfühlsamen Vocals vorzüglich in einen Power-Refrain hinein. Die Nummer zeigt die Kreativität der Band und beweist, dass Taktgeber Frusciante seine Gitarren bei weitem noch nicht ausgereizt hat. Ähnlich entrückt, aber intimer geben sich das leise "If", der einzige Track ohne Drums, oder "We Believe".

"Charlie", "Torture Me", "Warlocks", "C'mon Girl", das mit einem experimentellen Gitarrensolo ausgestattete "Tell Me Baby" und auch das transparente, schwere "She's Only 18" funktionieren dagegen nach dem "Californication"-Rezept: Funk oder heftigerer Rock verbindet sich mit betont melodiösen Parts, besonders Chor-gestützte Refrains. Aber auch Beschauliches und Emotionales wirbt um Aufmerksamkeit - bevorzugt um die des "By The Way"-Publikums (etwa "Hey", "She Looks To Me" und "Wet Sand").



"Stadium Arcadium" bietet zu allem Überfluss aber noch "Strip My Mind", das trotz seiner Slow Motion-Wucht einem Frusciante-Soloalbum gut zu Gesicht stünde. Gerade sein Gitarrenspuren-Effekte-Patchwork, das Technik geschmeidig mit Musikalität verschmelzt, garantiert die Abwechslung in jedem einzelnen Song.

Dies bleibt der große Pluspunkt der Peppers: Ihre Fähigkeit, die Stücke interessant zu gestalten. Es finden sich endlos Riffs, Soli, Melodien, Sound-Einsprengsel und verschiedenartige Parts. In Kombination mit der bauchgesteuerten Dynamik der Backline wird einem mal wieder klar, weshalb es die Funk/Punk-Chaoten bis auf den Rock-Olymp gebracht haben. Obwohl ein Trommler von Chad Smiths Fähigkeiten auf einem Doppelalbum, dessen Hälften auch noch "Mars" und "Jupiter" heißen, ruhig mal hätte ausflippen können.

Am Ende haben die Peppers in drei Jahren 38 Songs geschaffen, von denen es wiederum 28 auf "Stadium Arcadium" schafften. Und so wird sich der Kritiker wieder seiner grauen Zellen erinnern und jede Menge "Füllmaterial" ausmachen. Gleichwohl: "Stadium Arcadium" enthält keinen einzigen schlechten Track. Höchstens Stücke, die weniger gefallen. Und selbst diese lassen sich an einer Hand abzählen, da es kein einzig peinliches Riff gibt. Diese Band strotzt vor kreativer Energie, und ihr neuntes Studioalbum hält massenweise Singles bereit. Nur wer damit nicht zurecht kommt, hat ein Problem, nicht die Band.

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